Amazon Zahlungsverfahren birgt Sicherheitsrisiken

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Geschäft einkaufen und benötigen weder Ihre Geldkarte, noch Ihr Smartphone oder Bargeld. Stoff für einen Science-Fiction-Film? Weit gefehlt. Mit Amazons neuem Zahlungsverfahren Amazon One brauchen Kundinnen und Kunden nur noch ihre Hand, um Einkäufe zu bezahlen. Doch das Amazon Zahlungsverfahren birgt Sicherheitsrisiken. Es gibt viele offene Fragen in puncto Datennutzung und Politiker fordern nun Einblicke in die Zahlungsoption.

Die Bezahlung per Handfläche im stationären Handel erfolgt mithilfe eines Scanners. So identifiziert das System Personen und bucht den fälligen Betrag von ihrem Konto ab. Der Konzern hat Amazon One bereits in einigen Filialen eingeführt. Die Registrierung ist denkbar einfach und kann ohne vorhandenes Amazon-Konto erfolgen. Hierbei wird die zu hinterlegende Kreditkarte in ein Terminal gesteckt, die Handfläche gescannt und die Handynummer angegeben. Mit der erstellten Amazon-One-ID kann man im Anschluss kontakt- und gerätelos bezahlen.

Fragen zur Art der Datennutzung durch Amazon

Eine Gruppe von US-Politikern hat kürzlich nähere Informationen über die neuartige Zahlungsart vom Unternehmen gefordert. Die Art der Datennutzung und eine Konkretisierung der unternehmerischen Pläne standen dabei im Mittelpunkt. Es handelt sich schließlich um äußerst sensible biometrische Daten. Amazon soll offenlegen, wie es die Privatsphäre der Kundinnen und Kunden schützt und die gesammelten Daten verarbeitet. Ob gesammelte Daten für gezielte Werbeaktivitäten genutzt werden sollen, ist ebenfalls von Interesse.

Während Apples Face ID und Touch ID oder Samsung Pass die biometrische Informationen lediglich auf dem Nutzer-Gerät speichert, erfolgt die Speicherung der Amazon One Informationen in der Cloud. Daraus ergeben sich hohe Sicherheitsrisiken.

Kritik bereits in der Vergangenheit

Noch heikler könnte es werden, wenn nun Handscans und Gesichtserkennung verbunden werden können. Daher fragten die Senatoren neben der bisherigen Nutzerzahl auch nach einer eventuellen Koppelungsmöglichkeit verschiedener sensibler Daten. Dass es dem Konzern oder Dritten möglich wird, irgendwann komplette biometrische Profile von Nutzern und Nutzerinnen zu erstellen, muss aus Gründen des Datenschutzes und denkbarer Missbrauchsszenarien vermieden werden.

Bereits in der Vergangenheit wurde Amazon von Datenschützern, Bürgerrechtlern und anderen heftig kritisiert, da man die Gesichtserkennungssoftware den US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt hatte. Die Zusammenarbeit mit der US Polizei wurde zum Zeitpunkt der Black Lives Matter-Bewegung in den USA eingestellt. Auch war die Software fehlerbehaftet.

Amazon bewirbt seine neue Zahlungsoption mittels Handfläche sogar durch Gutschriften. Kundinnen und Kunden erhalten eine Gutschrift in Höhe von 10 US-Dollar, wenn sie sich für die neue Zahlart registrieren. Das löste nicht nur unter Datenschützern eine Kritikwelle aus.

Das Amazon Zahlungsverfahren birgt Sicherheitsrisiken, davon müssen wir bis dato ausgehen. Sollte Amazon sein kontaktloses Bezahlsystem in Zukunft auch in Deutschland etablieren wollen, gibt es viele Fragen zu Datenschutz, -speicherung und -nutzung transparent zu beantworten. Bisher ist die Zahlungsmethode ausschließlich in den USA verfügbar.