Ist E-Commerce Schuld am Verkehrschaos auf unseren Straßen?

Auf den Straßen ist aktuell sehr viel los. Neben dem üblichen PKW-Verkehr sieht man zusätzlich vermehrt Liefertransporter und noch mehr LKWs. Steuert uns vielleicht das enorme Wachstum des Onlinehandels in ein Verkehrschaos? Eine gegenwärtige Berechnung sorgt nun für Aufklärung.

Aktuell boomt der Onlinehandel in Deutschland und es werden so viele Pakete versendet wie noch nie zuvor. Doch es ist nicht dieser Umstand, der für das hohe Verkehrsaufkommen auf unseren Straßen sorgt. Das zeigen aktuell die Zahlen des Beratungsunternehmens MRU, welches seinen Fokus auf die Kurier-, Express- und Paketlogistikbranche gelegt hat. Auftraggeber für diese Berechnung ist der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh).

Onlinehandel boomt in ländlichen Regionen

Betrachtet man nämlich die Sendungsmenge und die Umsätze, dann fällt auf, dass sie nur minimal angestiegen ist im Vergleich zu den Bestellumsätzen. Außerdem hat der angestiegene Onlinehandel mit Privatpersonen und die enorme Steigerung der Paketzustellungen an Gewerbetreibende nicht zu einem erhöhten Pakettransport in den Städten geführt. Man sollte auch bedenken, dass immer mehr Bestellungen nicht in die Großstädte versendet werden, sondern vermehrt in ländliche Regionen und Kleinstädte.

Allgemein lässt sich seit einer Weile beobachten, dass E-Commerce auf dem Land und in kleineren Städten stetig wächst. Mittlerweile sind die Sendungsmengen pro Person in den Metropolen im Vergleich dazu sogar deutlich niedriger. München zum Beispiel hatte 2019 pro Werktag und Quadratmeter 4,9 Paketlieferwege und steht somit auf Platz Eins. Auf Platz Zwei befinden sich Frankfurt (3,8) und Düsseldorf (3,3). Schlusslicht bilden Berlin (2,9) und Hamburg (2,2) und haben somit die wenigsten Lieferabfahrten pro Quadratkilometer. Die B2C Quote des Lieferverkehrs pro Tag und Quadratmeter in den aufgeführten Städten befindet sich etwa bei zwei Drittel. Die Aussage also, dass der Onlinehandel Schuld sei an dem Verkehrskollaps in den Großstädten ist nicht richtig.

Die Zahlen entstanden anhand einer Bestandsaufnahme im Jahr 2017 und weisen dementsprechenden Wandel auf. Zum Beispiel hat die MRU für Hamburg die Änderungen der Sendungsmasse und den daraus entstandenen Verkehr errechnet. Der Lieferverkehr für private als auch gewerbliche Zusendungen ging lediglich von 2,1 auf 2,2 Lieferabfahrten pro Quadratkilometer hoch.

Mehr Pendler in den Großstädten als früher

Vergleicht man diese Zahl mit den Lieferfahrten an Gastronomie und Einzelhandel, so stellt man fest, dass es ein sehr geringer Wert ist. 2018 kam es nämlich dabei an Werktagen zu 28 Fahrten pro Quadratkilometer. Hinzu kommt noch, dass sich die Zahl der Carsharing-Autos in Hamburg im Zeitraum von 2017 bis 2019 von 800 auf 1500 erhöht hat. Und während 2017 die Menge der PKW noch bei 25.000 lag, registrierte man 2019 schon 795.000 angemeldete Fahrzeuge. Ebenso hat sich die Zahl der Pendler aus dem Hamburger Umland um nahezu 30.000 erhöht, die damit auch tagtäglich zu dem enormen Verkehrsaufkommen auf den Straßen beitragen.